Weniger Zucker – nur ein Rechentrick?

Wir alle wissen, dass wir im Alltag eigentlich zu viel Zucker zu uns nehmen. Seit Jahren weisen Gesundheitsgremien weltweit immer wieder darauf hin, dass übermässiger Zuckerkonsum Übergewicht und Typ-2-Diabetes fördert. Auf Druck der Öffentlichkeit und des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) haben deshalb vor einiger Zeit die Hersteller von Frühstücksflocken (und übrigens auch Joghurts) versprochen, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu reduzieren. Heute beträgt gemäss Beobachter beispielsweise der Anteil Zucker in einem Frühstücksmüesli für Kinder im Durchschnitt 24,6 Gramm. Das BAG spricht nach einer ersten Auswertung der Massnahmen von einem Erfolg. Der Beobachter hat nachgerechnet und äussert sich skeptisch: der festgestellte Rückgang sei weitgehend ein Rechentrick.

Der Beobachter schreibt in seinem kritischen Beitrag: In einem Vergleich von 155 Produkten zeige das Bundesamt für Gesundheit (BAG), dass 2017 der Anteil Zucker bei den Cerealien im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent gesunken sei. Das klinge nach ansehnlich viel, sei aber fast nichts: 1,4 Gramm weniger Zucker. Statt durchschnittlich 15,7 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthielten Frühstücksflocken gemäss der neuen Analyse noch 14,4 Gramm.

Unschön – so der Beobachter – sei auch die Tatsache, dass in der Analyse des Gehalts an zugefügtem Zucker der Anteil der einzelnen Produkte am Gesamtmarkt keine Rolle spiele. Wenn also ein Hersteller bei weniger stark verkauften Produkten den Zucker verringere, resultiere gemäss BAG auf dem Papier zwar eine Verbesserung. Auf dem Teller landeten aber nach wie vor die überzuckerten Produkte.

Eine Stichprobe des Beobachters mit 47 beliebten Produkten von Coop, Migros, Denner, Aldi und Lidl zeigt: «Am Angebot hat sich wenig geändert, der Zuckeranteil ist bei den allermeisten Cerealien nach wie vor viel zu hoch. Zudem richten sich noch immer zahlreiche Zuckerbomben mit ihrer Aufmachung offensichtlich an Kinder.

Nur gerade 6 Prozent der ausgewerteten Produkte weisen weniger als 10 Gramm Zucker auf. 60 Prozent enthalten mehr als 20 Gramm Zucker, fast jedes dritte über 25 Gramm. Den Höchstwert erzielt gemäss der Beobachter-Stichprobe Smacks von Kellogg’s – mit 43 Gramm Zucker.

Zum Vergleich: Gemäss Produkteliste des Bundesamts enthalten nur 40 Prozent der Produkte mehr als 20 Gramm Zucker, und 10 Prozent liegen bei unter 10 Gramm.»

Der Beobachter kritisiert in seinem Beitrag auch die Tatsache, dass das BAG nicht nur die bei Kindern beliebten Cornflakes, Rice Pops und ähnliche Produkte untersucht hat, sondern auch Müeslimischungen und Porridge. Diese enthielten aber oft nur um 10 Gramm Zucker oder noch weniger. Dank diesen beiden Kategorien liege daher der durchschnittliche Zuckeranteil bei bloss 14,4 Gramm. Ohne Müesli und Porridge steige er jedoch um 4,3 Gramm. Noch schlimmer stehe es bei den Produkten, die sich explizit an Kinder richten: Sie enthielten gemässs BAG 24,6 Gramm zugesetzten Zucker pro 100 Gramm.

 

«Frühstückscerealien sind von der Zusammensetzung her oft nichts anderes als zerbrochene Guetsli, die in Milch aufgelöst werden», wird die Ernährungsberaterin Franziska Widmer von der Gesundheitsförderung Schweiz im Beobachter-Beitrag zitiert. Sie widerspricht damit der landläufig geltenden Meinung, dass solche Müeslis zum Frühstück gesund seien,

Dieser Beitrag wurde unter Fit & Gesund, Vorsorgen und heilen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spamschutz * Frist ist abgelaufen. Bitte laden Sie den Spamschutz erneut.