Vieles geht auch ohne Medikamente weg

Rund ein Dutzend australische WissenschafterInnen und ÄrztInnen – darunter auch erfahrene HausärztInnen – haben sich regelmässig geärgert, dass bei wissenschaftlichen Studien nichtmedikamentöse Therapien als Vergleich zum Einsatz kommen, in der Studie aber nicht gut genug beschrieben werden, damit man sie auch einsetzen können. Deshalb haben sie jetzt viele solcher Therapie in einem Handbuch namens «HANDI» (Handbook of Non-Drug-Interventions, oder zu Deutsch Handbuch für nichtmedikamentöse Therapien) zusammengetragen und online veröffentlicht. Es macht effektive, nicht-medikamentöse Behandlungen sichtbarer und einfacher anwendbar. Die InitiantInnen von HANDI haben es sich zum Ziel gesetzt, die Verschreibung einer nichtmedikamentösen Therapie fast so einfach zu machen wie das Schreiben eines Rezepts. Die Themen in HANDI wurden vom HANDI-Projektteam entwickelt und werden durch entsprechende Nachweise gestützt.

Wie gross das Potenzial einzelner Therapien sein kann, belegt gemäss einem Beitrag in der SonntagsZeitung der Leiter der HANDI-Projektgruppe und Arzt Paul Glasziou: «Stellen Sie sich ein Medikament vor, das bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen die Anzahl der Spitalaufenthalte und der Todesfälle um 70 Prozent reduziert. ÄrztInnen und PatientInnen würden danach schreien, und die Firmen würden hohe Preise dafür verlangen.» Eine solche nichtmedikamentöse Behandlung – ein spezielles Trainingsprogramm – gebe es aber bereits, nur sei es zu wenig bekannt. Ausserdem fehlten die finanziellen Anreize, solche Therapien einzusetzen.

Als Beispiele für Therapien aus dem australischen Handbuch werden im erwähnten Beitrag der SonntagsZeitung genannt:

  • zum Abnehmen 30 Minuten vor jeder Mahlzeit einen halben Liter Wasser trinken
  • gegen Durchfall bei akutem Darminfekt den Flüssigkeitsverlust ausgleichen und fünf Tage lang Probiotika einnehmen
  • bei Fersenschmerz (sogenannter Plantarfasziitis) mindestes dreimal täglich die Fusssohle dehnen und dazu zehnmal nacheinander je zehn Sekunden mit der Hand die Zehen nach oben biegen
  • bei Kniearthrose ein hypoallergenes Klebeband auf die Haut und darüber ein festes Klebeband anbringen (inklusive Anleitung)
  • bei Husten von Kindern (ab 12 Monaten) jeweils vor dem Schlafengehen einen halben bis zwei Teelöffel Honig geben
  • oder bei Parkinson Tanzen.

Professionell wirkt  bei allen Ratschlägen, dass immer auch das zu erwartende Ergebnis und die möglichen Nebenwirkungen oder Gefahren aufgeführt werden. Dadurch unterscheidet sich das Handbuch auch von den zahllosen Ratgebern, die zu allen erdenklichen – und oft bedenklichen – Hausmittelchen und medizinischen Geheimtipps schon erschienen sind.

Das Handbuch (in englisch) ist online einsehbar, ist kostenlos, wird laufend nachgeführt und enthält aktuell rund 80 Therapien.

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