Kunstlicht kann natürliches Licht nicht ersetzen

Als mediX-Blogger lese ich immer gerne die Blogs der verschiedenen Krankenkassen, weil sich dort viel Wissenswertes über Gesundheit findet. Kürzlich hat die CSS in ihrem CSS magazin ein interessantes Interview veröffentlicht, das deutlich macht, warum für uns Menschen und unserer Gesundheit Licht so wichtig ist.

Im Interview mit dem CSS-Magazin erklärt der Chronobiologe Christian Cajochen, dass Licht der wichtigste äussere Zeitgeber sei für die innere Uhr, dem im Menschen angelegten Rhythmus, der vorgibt, wann wir wach sind und wann wir schlafen, wann die zur Tages- oder Nachtzeit passenden Körpervorgänge in Gang gesetzt werden.

Auf die Frage, was Licht im Körper auslöst, sagt er: «Da gibt es natürlich mannigfache, lebensnotwendige Effekte (…). Licht wirkt beispielsweise in Hirnarealen, die fürs Lernen wichtig sind oder dafür, Emotionen zu verarbeiten und zu speichern. Was man schon länger weiss: Licht hat einen Einfluss auf verschiedene Hormone. Es unterdrückt das Dunkelhormon Melatonin. Dafür wird mehr Serotonin ausgeschüttet, das die Stimmung hebt und vereinfachend auch als „Glückshormon“ bezeichnet wird.»

Wer sich also häufig in natürlichem Licht bewegt, ist besser gelaunt und vielleicht auch insgesamt glücklicher. Deshalb kann man beispielsweise mit Licht auch Menschen behandeln, bei eurer saisonalen Depression, unter der zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung leiden – nicht zu verwechseln mit dem viel häufigeren, so genannten „Winter-Blues“. «Gegen Winterdepression helfen Therapien mit speziellen Lampen sehr gut. Diese wirken ebenfalls bei nicht-saisonaler Depression. In neuen Studien wurde bewiesen, das Licht ein sehr potentes Anti-Depressivum ist.», sagt Christian Cajochen.

Licht-Therapien eignen sich auch für Menschen, deren Tag-Nach-Rhythmus aus dem Gleichgewicht geraten ist, was bei Schichtarbeitern häufig vorkommt. Sie seien einer ständigen Fehlinformation ausgesetzt. Während der Nacht sähen sie Licht und ihre innere Uhr nehme an, es sei Tag; sie versuche sich anzupassen und umzustellen. Aber der Körper sei überfordert und seine ganzen biochemischen Abläufe gereten durcheinander. Dazu Cajochen: «Es kommt zum „Chrono-Chaos“ und auf längere Sicht zu gesundheitlichen Problemen, massive Schlafstörungen zählen dazu. Es lässt sich mit einem Jetlag vergleichen. Während ein Reisender sich aber nach ein paar Tagen an den neuen Hell-Dunkel-Wechsel gewöhnt hat, kommt ein Schichtarbeiter nie in der neuen Zeitzone an.»

Als tagaktive Species können wir die Nacht nicht zum Tag machen und sind dazu konditioniert, in der Nacht zu ruhen. Cajochen sagt im Interview: «Unser Körper steht unter dem Diktat der inneren Uhr. Sie ist seit jeher auf den 24-Stunden-Takt einer Erdumdrehung und somit dem natürlichen Licht-Dunkel-Wechsel angepasst. Daran haben auch die Anforderungen in unserer modernen Arbeitswelt und die technischen Möglichkeiten mit künstlicher Beleuchtung nichts geändert.»

Lesen Sie das ganze Interview im CSS-Blog online.

Chrstian Cajochen, der im Beitrag der CSS von Vera Schwer interviewt wurde, ist Leiter der Abteilung Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Der Verhaltensbiologe schloss sein Studium an der ETH Zürich mit einem Doktorat ab und absolvierte anschliessend ein dreijähriges Postdoc an der Harvard Medical School in Boston (USA). Er befasst sich unter anderem mit der Rolle der nicht-visuellen Lichtwirkung, etwa den Einfluss auf den Schlafrhythmus oder die Stimmung.

Mehr über dieses Thema finden Sie auf der Website des Zentrums für Chronobiologie, Basel.

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