Wenn jede Sekunde zählt

In Notsituationen, seien es Unfälle oder ein plötzlicher Herzstillstand, ein Herz- oder Hirnschlag oder eine anderes, unerwartetes „Fehlverhalten“ des menschlichen Körpers, zählt manchmal wirklich jede Sekunde. Ein Patient mit plötzlichem Kreislaufstillstand hat beispielsweise nur dann realistischen Überlebenschancen, wenn er unverzüglich mit wirksamer erster Hilfe behandelt wird. Auch wenn die professionelle Hilfe in der Schweiz im allgemeinen sehr schnell vor Ort sein kann, ist das Erkennen von Ursachen des Notfalls und wirksame Erste Hilfe durch Laien in vielen Fällen entscheidend, ob und wie ein Betroffener überlebt.

Im kürzlich in der Schweizer Ärztezeitung erschienen Artikel «Reanimation durch Ersthelfer» heisst es denn auch: «Bei einem lebensbedrohlichen Notfall verstreicht vom Zeitpunkt des Ereignisses bis zur Alarmierung und in der Folge auch bis zum Eintreffen der Rettungskräfte viel Zeit. Für den Kreislaufstillstand ist gut belegt, dass der Zeitpunkt des Reanimationsbeginns und die Qualität der Reanimation den Outcome des Patienten nachhaltig bestimmen; dies gilt sowohl für das Überleben an sich als auch für die mögliche neurologische Beeinträchtigung.» Der Beitrag plädiert daher folgerichtig für eine flächendeckende Ausbildung der Bevölkerung in den Basismassnahmen der Reanimation, damit in einem Notfall idealerweise immer eine in BLS (Basic Live Support) geschulte Person aus dem nahen Umfeld sofort Hilfe leisten kann, lange bevor die Rettungsdienste vor Ort eintreffen.

Basierend auf den positiven Erfahrungen in den Kantonen Tessin und Obwalden fordern die Autoren unter anderem, dass jungen Menschen in den Schulen «bereits frühzeitig die wichtigen Kenntnisse im Erkennen von Notfällen und in der richtigen Reaktion sowie die erforderlichen Fähigkeiten erworben. Sie sind so auch in der Lage, dieses Wissen in die Familie zu tragen.» Ausserdem sollten vermehrt öffentliche Defibrillatoren (AED)  an hoch-frequentierten Lagen (wie Bahnhöfen, Schulen, Mehrzweckhallen, Gemeindehäusern) öffentlich gemacht und rund um die Uhr zugänglich sein.

Der Artikel schliesst mit den folgenden Kernsätzen und Forderungen für eine schnelle Ersthilfe – auch durch Laien:

  • Mit BLS (Basic Live Support) und en Einsatz von AED (Automatisierter Externer Defibrillator) durch Ersthelfer kann die Überlebenschance nach einem Kreislaufstillstand deutlich erhöht werden.
  • BLS/AED-Unterricht soll in den Lehrplan der Schulen aufgenommen werden.
  • Das alleinige Aufstellen von AED ist nicht ausreichend: Sie müssen in ein sinnvolles Nutzungskonzept integriert werden – und geeignete Zielgruppen im Umfeld von aufgestellten AED in BLS geschult werden.
  • Die systematische Erfassung und Deklaration aller öffentlichen, halböffentlichen und privaten AED ist die Voraussetzung für deren gezielten Einsatz durch SNZ (Sanitätsnotrufzentrale) und Privatpersonen.
  • FirstResponder-Systeme sollen in geeigneten Regionen aufgebaut und unterstützt werden.
  • Der Aufbau eines gesamtschweizerischen Reanimationsregisters ist sinnvoll und muss von der Ärzteschaft und der Politik begleitet werden.

Der gesamte Artikel von Patrick Siebenpfund (Dr. med., Facharzt Anästhesiologie FMH, Intensivmedizin FMH, Notarzt SGNOR, Kantonsspital Baselland, Standort Bruderholz), Gabriela Kaufmann (Geschäftsführerin SGNOR und SRC),  Roman Burkart (Dipl. Pflegeexperte, wissenschaftlicher Mitarbeiter Fondazione Ticino Cuore) und Wolfgang Ummenhofer (Prof. Dr. med., Departement Anästhesie, Universitätsspital Basel) aus der Schweizerischen Ärztezeitung können Sie hier als PDF herunterladen.

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