So verfasse ich eine PatientInnenverfügung

Die Möglichkeiten der modernen Medizin werden immer grösser und viele Krankheiten, die früher rasch zum sicheren Tod geführt haben, sind heute heilbar oder der Tod kann durch eine Reihe von lebenserhaltenden oder -verlängernden Massnahmen lange hinausgezögert werden.

Oft sind aber solche medizinischen Eingriffe schwerwiegend für die Lebensqualität der betroffenen PatientInnen. In vielen Fällen stellt sich dann früher oder später die Frage, ob sie noch sinnvoll und zumutbar sind. Solange eine PatientIn noch über die volle Urteilsfähigkeit verfügt, ist das kaum ein Problem, denn der oder die Betroffene entscheidet dann selbständig darüber, welche Eingriffe noch vorgenommen werden sollen und welche nicht. Die ÄrztIn berät die PatientIn und vermittelt das für einen Entscheid nötige Fachwissen. Auch dann bleibt der Entscheid über Weiterführung oder Abbruch einer lebensverlängernden Massnahme schwierig, aber zumindest bleibt er in den Händen der betroffenen Person.

Besonders kritisch sind solche Situationen aber bei Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr urteilsfähig sind; sei es als Folge einer Verletzung des Gehirns, einer fortgeschrittenen Alterskrankheit oder eines künstlichen Komas. In solchen Fällen lastet der Entscheid dann auf den Angehörigen und/oder den behandelnden ÄrztInnen. Über Leben oder Tod eines anderen Menschen entscheiden zu müssen, fällt aber besonders schwer, wenn man über den Willen des Betroffenen nicht ausreichend informiert ist.

Eine PatientInnenverfügung informiert

Da ist eine PatientInnenverfügung nützlich, weil Angehörige und ÄrztInnen dieser Verfügung entnehmen können, was die PatientIn sich für welche Situationen gewünscht hätte. Je ausführlicher und persönlicher diese Verfügung auf unterschiedliche Situationen eingeht, um so einfacher ist es, sie auch richtig zu interpretieren. Eine PatientInnenverfügung hilft also PatientInnen, ihre Selbstbestimmung über den Eintritt der Urteilsunfähigkeit hinaus zu wahren und auch dann noch selbst über die eigene medizinische Behandlung zu entscheiden.

Eine PatientInnenverfügung enthält den persönlichen Willen einer Person über medizinische Behandlungen bei Entscheidungsunfähigkeit. Sie kann im Detail festlegen, welche medizinischen Massnahmen vorgenommen oder nicht vorgenommen werden sollen und/oder welche Person im Zweifelsfall über die medizinische Behandlung entscheiden soll.

Nicht nur für ältere Menschen

PatientInnenverfügungen seien eher etwas für Menschen höheren Alters, hört man öfters. Es ist zwar durchaus verständlich, das sich gesunde junge Menschen nur ungern mit einem möglichen Lebensende auseinandersetzen. Es ist aber auch eine Tatsache, dass eine PatientInnenverfügung nicht erst im Alter sinnvoll sein kann, sondern auch im Falle von schweren Unfällen oder schweren Erkrankungen in jungen Jahren. Angehörige und ÄrztInnen wünschten sich daher, dass auch junge Menschen ihre Willen in einer Verfügung festhalten und so die Entscheidung über ihre medizinische Behandlung in schweren Fällen nicht Dritten überlassen.

Was braucht es für eine PatientInnenverfügung

Die formalen Anforderungen an eine PatientInnenverfügung sind gering. Die VerfasserIn muss dazu bloss urteilsfähig sein und die Verfügung schriftlich verfasst, datiert und unterzeichnet haben. Je ausführlicher aber die Formulierung des eigenen Willens in verschiedenen Situationen ausfällt, desto hilfreicher ist sie und verbindlicher auch für die  behandelnden ÄrztInnen.

Mustervorlagen und weitere Dokumente zum Verfassen einer eigenen Verfügung gibt es bei der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften zum Download als PDF.

Dieser Beitrag basiert auf einem äusserst informativen Blogbeteitrag von Sabina Schellenberg und Inanna Klap von FRORIEP, einer internationalen Anwaltskanzlei, die in ihrem Blog regelmässig über Themen aus der Welt des Rechts informiert.

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