Nach dem Unfall schnell wieder arbeiten

Soll man eigentlich nach einem schweren Unfall möglichst schnell wieder arbeiten gehen oder soll man sich so lange wie möglich schonen und ausruhen? Diese Frage stellen Verunfallte, Ärzte und Versicherungen immer wieder – und die Antwort ist auf den ersten Blick nicht so einfach.

Die Suva hat dazu eine eindeutige Haltung und hat diese kürzlich auch in der Schweizerischen Ärztezeitung veröffentlicht: Nach Unfall zurück an den Arbeitsplatz? «Je früher , desto besser!»

Zu diesem Thema gibt es übrigens auch einen unterhaltsamen Video-Spot:

Kurz zusammengefasst kommt der Artikel zur folgendem Fazit: Eine rasche Wiedereingliederung sei für den Patienten und seine Genesung sinnvoll – und dies auch dann, wenn der Wiedereinstieg zu Beginn nur in einem Teilpensum möglich sei. Die anfängliche Teilzeitarbeit lasse sich auch gut mit ambulanten Rehabilitationsmassnahmen kombinieren. Die tägliche Arbeit sei aber oft die beste Therapie.

© Suva

Damit eine rasche Rückkehr möglich wird, braucht es aber gemäss den Erfahrungen der Suva und vieler Hausärzte eine gute Zusammenarbeit zwischen Arzt, Verunfalltem und dem Arbeitgeber. Der Patient müsse darauf vertrauen, dass der Arzt seine Situation wirklich kennt. Viele Ärzte wüssten zu wenig über die Tätigkeit ihrer Patienten, meint  Wolfgang Czerwenka von Argomed: Es sei aber für den Arzt wichtig zu wissen, wie die Arbeitsplatzsituation des Patienten konkret aussieht. Viele Ärzte wissen beispielsweise, dass ihr Patient «auf dem Bau oder im Lager» arbeitet, was genau dies aber konkret bedeute, bleibe oft unklar.  Für eine seriöse Beurteilung, wann und ob ein Patient wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig ist, braucht es aber genau diese Informationen. Ein gebrochener Daumen der linken Hand ist für Arbeit auf einer Baustelle ein absolutes «no go», für eine Lehrerin aber kein Problem.

© Suva

Auf der anderen Seite muss der Arbeitgeber genügend flexibel sein, den Wiedereinstieg durch ein auf die aktuellen Möglichkeiten seines Mitarbeitenden angepasstes Programm zu ermöglichen. Und die Arbeitgeber müssen es auch wollen: leider seien in der aktuellen Wirtschaftslage manche Unternehmen froh, wenn Mitarbeitende wegen Krankheit oder Unfall für längere Zeit ausfallen, heisst es im Artikel der Suva.

Eine rasche Rückkehr an den Arbeitsplatz begünstigt im allgemeinen aber nicht nur den Heilungsprozess, sondern hilft auch Kosten sparen. Für Peter Diermann, Bereichsleiter Versicherungsleistungen bei der Suva ist klar: «Liesse sich die Absenzdauer der Verunfallten am Arbeitsplatz senken, könnten subsstantiell Kostengespart werden.» Insgesamt 1.29 Milliarden zahlte die Suva 2014 allein für Einkommensausfall. Schon wenn nur ein kleiner Anteil der Verunfallten ein paar Tage früher ihre Arbeit aufnehmen, käme in absoluten Zahlen ein beachtlicher Sparbetrag zusammen.

Und last but not least: Es gibt zwar Patienten, für die ein schwerer Unfall als Vorwand benutzt wird, aus dem verhassten Job zu kommen. Die meisten Menschen machen ihre Arbeit aber gern und möchten auch selbst so schnell wie möglich wieder arbeiten. Ihnen fehlt bei längerer Abwesenheit von der Arbeit schnell die Herausforderung. Sie wollen rasch wieder einsteigen – zu Beginn vielleicht nur mit einem kleinen Teilpensum. Sie erhalten so einen Teil ihrer Lebensqualität zurück.

Haben auch Sie Erfahrungen gemacht mit dem Wiedereinstieg nach längerer Krankheit oder nach einem Unfall? Wir freuen uns über jeden Kommentar.

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