Früher waren Operationen eine brutale Sache

Viele Operationen haben heute zumindest teilweise ihren Schrecken verloren. Dies zum einen, weil wohl kein Bereich der Medizin in den letzten Jahren derart grosse Fortschritte gemacht hat, wie die Operationstechnik. Was vor wenigen Jahren noch als undenkbar galt, ist heute oft schon alltägliche Routine in hochentwickelten Operationssälen. Ähnlich spektakulär war in den letzten 170 Jahren Medizingeschichte aber auch die Entwicklungen im Bereich der Narkose.

Unvorstellbar aber wahr: Es ist gar noch nicht so lange her, dass auch schwere Operationen – wie die Amputation eines Beines beispielsweise – ohne Narkose und bei vollem Bewusstsein der PatientInnen durchgeführt wurden. Das hat sich am 16. Oktober 1846, also vor ziemlich genau 171 Jahren im Hörsaal des Massachusetts General Hospital in Boston, geändert, als ein verspätet herbeieilender Zahnarzt vor versammelter Medizinprominenz zum wohl ersten Mal einem Amputations-Kandidaten eine für rund 3 Minuten wirksame Aether-Narkose verabreicht. Sein Versuch gilt als Geburtsstunde der medizinischen Narkose und hat wohl auch der modernen Operationstechnik den Weg frei gemacht.

Erst als es nämlich möglich war, PatientInnen mit Narkosen ruhig zu stellen, konnten auch schwierigere und vor allem längere Operationen erfolgreich durchgeführt werden. Bis dahin beschrieb John Collins Warren, einer der führenden Chirurgen in den USA aus jener Zeit, den Ablauf einer der häufigsten Operationen jener Tage etwa so: «Bei einer Amputation war es üblich, den Patienten in den Operationssaal zu schaffen und ihn auf einen Tisch zu legen. Der Chirurg pflegte seine Hände hinter dem Rücken zu verbergen zu zu fragen: ‹Wollen Sie das Bein abgenommen haben oder nicht?› Verlor der Patient den Mut und sagte ‹Nein›, so wurde er wieder in sein Krankenbett gebracht. sagte er jedoch‹ Ja›, wurde der Patient unverzüglich von mehreren kräftigen Helfern gepackt, und die Operation nahm seinen Lauf.» Manche Berichte verglichen die Lage des Patienten  vor dem Eingriff mit jener vor einer Exekution. Ihre gellenden Schreie gingen durch Mark und Bein. Für den Chirurgen galt es Nerven zu bewahren, rasch zu handeln und so zu tun, als berühre ihn das Schreien des Patienten nicht. Denn dauerte der Eingriff zu lange, so drohte bei zu lang andauernden Schwersein ein tödlicher Schock des Patienten. Tröstlich, aber kaum schmerzlindernd: Amputationen sollten in der Regel nicht länger als drei Minuten dauern. Und auch die Kosten für eine Operation dürften damals wohl noch etwas tiefer gewesen sein als heute.

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